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Macht spätes Essen dick?

Viele Menschen schieben ihre warme Hauptmahlzeit auf den Abend. Das kann zum Problem werden, muss es aber nicht
von Dr. Katharina Fuhrin, aktualisiert am 16.03.2017

Ist es kritisch, abends mehr zu essen? Das hängt unter anderem von den Zutaten ab

iStock/skynesher

Vor der Arbeit ein schnelles Müsli gefrühstückt, mittags ein Brötchen am Schreibtisch gegessen und am Nachmittag war nur Zeit für eine Tasse Kaffee. Wer den ganzen Tag unterwegs ist, freut sich am Abend auf eine warme Mahlzeit. Doch viele begleitet das schlechte Gewissen beim üppigen Essen nach Feierabend. Denn es gilt nicht nur als Dickmacher, sondern ein voller Magen soll auch den Schlaf beeinträchtigen.

"Lerchen" frühstücken ausgiebig, "Eulen" essen lieber spät

Seinen schlechten Ruf habe das späte Essen aber generell zu Unrecht, sagt Professorin Susanne Klaus, die am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam zur Physiologie des Energiestoffwechsels forscht. Keine Studie habe bisher belegen können, dass Spätesser ungesünder leben. "Natürlich haben wir jeweils unseren Biorhythmus, auf den unsere Verdauung abgestimmt ist. Und da wir in der Regel tagaktiv sind, laufen viele Vorgänge nachts gedämpft ab", erklärt die Expertin. Deswegen schafft es der Körper teilweise nicht, große Mengen an Nahrung bis zum Morgen zu verdauen und man fühlt sich immer noch satt.

Dann schadet es nicht, sich wie ein Südländer zu verhalten: Zum Frühstück gibt es nur einen Kaffee oder eine Kleinigkeit. Damit kommen auch hierzulande viele Menschen gut zurecht. "Die Chronotypen bestimmen auch unser Essverhalten", sagt Klaus. "Die morgens schon fitten Lerchen mögen ein großes Frühstück, Eulen verschieben ihre Mahlzeiten lieber nach hinten. Das ist eine persönliche Sache, die jeder prinzipiell für sich selbst herausfinden muss."

Morgens ein Kaiser, mittags ein König, abends ein Bettler?

Was ist dann also überhaupt dran an dem Ratschlag unserer Großeltern: "Morgens sollst du essen wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann?" Der Spruch stammt aus Zeiten, in denen die Menschen vor allem körperlich hart gearbeitet haben. "Damals hatte das durchaus seinen Sinn: Wer morgens aufs Feld ging, brauchte eine gute Grundlage", sagt Klaus. Allgemein gesprochen: Wer schon früh viel leisten muss, sollte nicht auf das Frühstück verzichten. Das gilt insbesondere für Schulkinder – mit knurrendem Magen lernt es sich nicht gut.

Heutige Büromenschen müssen sich nicht an diese alte Regel halten. "Ich mache es selbst auch so, dass ich ohne Frühstück aus dem Haus gehe und erst gegen neun Uhr im Büro ein Müsli esse", sagt sie. Für eine komplette Mittagsmahlzeit fehle ihr später wie vielen Berufstätigen meist die Zeit. "Gegen 13 Uhr nehme ich mir aber eine kurze Pause. Erst dann esse ich wieder etwas und versuche, das bewusst zu tun."

Vorsicht vor kalorienreichen Snacks am Tag

Das ist ganz wichtig. Denn wenn sich die Hauptmahlzeit auf den Abend verschiebt, lauert potenziell eine Kalorienfalle in den vielen Snacks, die manch einer über den Tag verteilt isst. Wer zwischendurch und während der Arbeit viele Kleinigkeiten zu sich nimmt, fühlt sich nie richtig satt. "Und am Abend kommt dann die große Schmacht, die dazu führt, zu viel zu essen", warnt die Expertin. Daher rät sie dazu, den Tag mit Mahlzeiten zu strukturieren und sich bewusst auf das Essen zu konzentrieren. Selbst wenn es nur ein belegtes Brötchen zum Mittag gibt, nimmt man es so als eigenständige Mahlzeit wahr – was es durch Butter, Käse oder Wurst vom Energiegehalt oft auch ist.

Um das Gewicht zu halten, zählt die Gesamtkalorienbilanz des Tages. Wenn es tagsüber nur leichte Mahlzeiten gab, spricht nichts gegen ein großzügiges Abendessen. Ob dabei lieber Kohlenhydrate oder eiweißreiche Lebensmittel auf dem Teller landen sollten – da möchte Susanne Klaus keine Empfehlung abgeben. "Oft heißt es, dass die Insulinausschüttung nach Kohlenhydraten die Fetteinlagerung nachts besonders begünstigt, das ist aber nicht belegt. Und manchen Menschen bekommt es einfach besser, einen Teller Nudeln zu essen als eine große Portion Fleisch." Wer tagsüber aber schon reichlich Kalorien zu sich genommen hat, sollte abends eher etwas Leichtes zubereiten, um die Energiebilanz im Lot zu halten.

Nicht direkt vor dem Schlafengehen essen?

Wie viele Stunden zwischen Essen und Schlafen liegen sollten, ist Klaus zufolge jedem selbst überlassen. Zwar kurbelt jede Mahlzeit das sympathische Nervensystem an und damit die Adrenalinausschüttung, was prinzipiell wach macht – manche Menschen spüren aber überhaupt nichts davon. "Letztlich ist das eine Gewöhnungssache", sagt Klaus. "Unser Verdauungssystem und selbst die Darmbakterien passen sich nach einiger Zeit unserem Tagesrhythmus an. Bei manchen Menschen dauert es nur länger als bei anderen."

Fazit: Wer die Hauptmahlzeit am Abend zu sich nimmt, wird nicht zwangsläufig dick. Es kommt auf die Gesamtenergiemenge an, die man verzehrt. Heißt: Abends ist mehr erlaubt, wenn morgens und mittags die Mahlzeiten nicht zu üppig ausgefallen sind. Wer reichlich frühstückt und tagsüber ebenfalls zugreift, sollte abends allerdings eher etwas Leichtes essen.

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Bildnachweis: Thinkstock/Hemera, iStock/skynesher

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